10 Tipps für den Kamerakauf

Damit die Überschrift interessanter erscheint, habe ich sie kurz gehalten. Ergänzen möchte ich hier noch, daß sich die 10 Tipps in erster Linie auf die Landschaftsfotografie beschränken. Genau genommen sind es eigentlich keine Tipps, sondern Kriterien. Kriterien welche sich besonders für die Landschaftsfotografie eignen. Wenn eure Kamera diese 10 Kriterien erfüllt, solltet ihr bei fachgerechter Anwendung, damit auch hervorragende Landschaftsfotos umsetzen können.

Die 10 Hinweise erleichtern das Fotografieren von Landschaftsmotiven. Die 10 Tipps sollen auch eine Entscheidungshilfe beim Kauf einer neuen Kamera sein.

Meine Kriterien sind für engagierte angehende Landschaftsfotografen gedacht. Wenn eine Kamera das ein oder andere Kriterium nicht erfüllt, ist das nicht automatisch ein K.O.-Kriterium. Je nachdem, muß man dann mit Einschränkungen leben oder etwas umständlichere Alternativen anwenden.

1. Kamera mit manueller Einstellung der Blende, Verschlußzeit und ISO

Da man in der engagierten Landschaftfsfotografie öfter mit Gegenlicht und hohem Tonwertumfang zu kämpfen hat, ist es meist besser, wenn man die Blende, Verschlußzeit und ISO von Hand einstellt. So kann man das gewünschte Ergebnis mit den drei Einstellmöglichkeiten kontrollierter steuern. Grundlage dafür ist vorhandenes Grundwissen über den Zusammenhang von Blende, Verschlußzeit und ISO.

Deine Kamera hat keine manuelle Einstellmöglichkeit? Bei manchen Lichtsituationen kann man das auch mit einer Belichtungskorrektur optimieren. Für viele der heutigen Smartphones die keine manuelle Einstellmöglichkeiten haben, gibt es Apps, die manuelle Einstellungen ergänzen können.

2. Objektiv mit manueller Entfernungseinstellung

Meist hat man in der Landschaftsfotografie Zeit um alle Einstellungen in Ruhe vorzunehmen. Auch die manuelle Entferungseinstellung bringt Qualitätsvorteile. Vor allem wenn man die optimale Schärfentiefe erzielen will. Um die optimale Schärfentiefe im gewünschten Bereich zu erreichen, ist eine Einstellung auf den optimalen Entfernungspunkt (Hyperfokale Distanz) hilfreich. Da dieser nicht mittig ist, muß man hier manuell korrigieren.

Entweder hat die Kamera eine einblendbare Schärfentiefeinfo. Oder man ermittelt den Wert mit einer Foto-App und überträgt die Entfernung am Objektiv. So erhält man die maximale Schärfentiefe vom Hintergrund bis zum vordersten Entfernungswert. Eine bestimmte App werde ich hier nicht nennen. Davon gibt es zahlreiche. Suche nach DOF oder Depth of field und es werden dir viele Apps angezeigt.

3. Kamera die RAW-Dateien machen kann

Das RAW ist ein digitales Negativ. Der Bearbeitungsspielraum ist viel größer als bei einer komprimierten JPG. Auch der Belichtungsspielraum ist im RAW bei heutigen Kameras sehr groß. Und gerade in der Landschaftsfotografie ist man bei hohem Kontrast oft froh, wenn man im RAW noch Zeichnung in helle Bildbereiche bekommt. Oder wenn man aus schwarzen Bildstellen noch Zeichnung herausholen kann.

4. Kamera mit Stativanschluß

Landschaftsfotos vor und nach dem Sonnenauf- und Untergang erfordern häufig eine längere Verschlußzeit. Aber auch für andere Landschaftsmotive wird ein Stativ benötigt. Ohne Stativ kann man diese nicht verwackelungsfrei aufnehmen. Logisch, daß da die Kamera auch ein Stativgewinde haben sollte.

Landschaftsfotografie mit Stativ und Fernauslöser
Landschaftsfotografie mit Stativ und Fernauslöser

Fallen hier Smartphones aus dem Rennen? In keinster Weise. Für Smartphones gibt es einfache Halterungen mit Stativgewinde. Preislich liegen diese zwischen 10 – 20 €. Für Smartphone-Landschaftsfotografen eine sinnvolle Investition.

5. Kamera mit Fernauslöser

Fotograf mit Stativ
Fotograf mit Stativ

Das Arbeiten mit einem Stativ erfordert auch einen Fernauslöser. Damit vermeidet man Vibrationen und Schwingungen und Verwacklungen. Fernauslöser gibt es in vielen Varianten. Mit Kabel oder Kabellos. Kabellose per Bluetooth, WLAN oder Funk.

Eine Alternative zum Fernauslöser ist ein Selbstauslöser mit Vorlaufzeit. Zwar ist diese Lösung nicht so komfortabel, erfüllt aber den gleichen Zweck. Manches Smartphone kann über bestimmte Gesten ausgelöst werden.

6. Kamera mit Weitwinkelobjektiv

Die meisten Landschaftsfmotive werden mit Weitwinkelbrennweiten gemacht. Sicherlich kann man auch Landschaftsmotive mit anderen Brennweiten realisieren. Weitwinkel ist dennoch das Grundwerkzeug eines jeden Landschaftsfotografen.

Wenn man eine Kamera oder ein Smartphone hat, daß diese Möglichkeit nicht bietet? Für manche Kameras und Smartphones gibt es Objektivvorsätze. Auch Weitwinkelvorsätze sind hier oft erhältlich. Allerdings verschlechtern optische Vorsätze in den meisten Fällen die optische Qualität. Dennoch ist es eine alternative günstige Lösungsmöglichkeit.

7. Kamera mit Wechselobjektiven

Ein Kamerasystem mit Wechselobjektiven ist flexibel einsetzbar. Kein Wunder, daß die meisten Landschaftsfotografen solche Kameras einsetzen.

8. Kamera mit eingebauter Wasserwage oder Gitternetzlinien

Wenn bei einer weiten Landschaft der Horizont nicht exakt ausgerichtet ist, kippt ein Bild. Klar kann man das in Photoshop oder mit anderer Bildbearbeitung wieder gerade richten. Dabei verschenkt man allerdings die maximale Bildauflösung und reduziert die Qualität. Bessere Kameras haben heutzutage oft eine im Sucher oder Display einblendbare Wasserwage. Damit kann man das Motiv exakt ins Wasser bringen. Hat das deine Kamera nicht? Vielleicht kann man wenigstens Gitternetzlinien einblenden? Damit lässt sich der Horizont auch gut ausrichten. Hat deine Kameras beides nicht? Dann gibt es noch als Fotozubehör eine Wasserwaage welche man auf einem Blitz- bzw. Zubehörschuh oder ein Stativgewinde fixieren kann.

9. Kamera mit eingebauter Schärfentiefeanzeige

Bei vielen Landschaftsfotos möchte man einen bestimmten Bereich scharf abbilden. Um dies zu erreichen blendet man meist ab. Allerdings führt zu starkes Abblenden irgendwann zu Beugungsunschärfe. Die Schärfentiefe ist größer, dafür reduziert sich die Gesamtschärfe im Bild. Wenn man die maximale Bildqualität erzielen will, vermeidet man Beugungsunschärfe.

Allerdings möchte man bei einem Landschaftsfmotiv meist ab einem bestimmten Motivbereich bis unendlich Schärfe haben. Da die Schärfentiefe nicht in der Mitte des Entfernungsbereiches liegt, sollte man die Entfernung manuell einstellen. Sehr hilfreich ist hier im Display oder Sucher eine Schärfentiefeanzeige. Mit dieser kann man sehr einfach den gewünschten Entferungspunkt einstellen und auch gleich kontrollieren ob die Schärfentiefe im gewünschten Bereich liegen würde.

Hat deine Kamera keine Schärfentiefeanzeige? Dann nutze eine Foto-App für dein Smartphone oder Tablet. Kamera- und Objektivdaten eingeben und der korrekte Entfernungswert wird angezeigt. Einfach am Objektiv einstellen. Fertig. Wie man solch eine App findet habe ich bereits bei Punkt 2 erklärt.

10. Kamera mit großen Sensor

Je größer das Aufnahmeformat einer Kamera ist, desto mehr Details kann man im Bild wiedergeben. Allerdings bedeutet ein großer Sensor auch ein spürbar höherer Preis in der Anschaffung einer Kamera. Und da die Objektive eine höhere Auflösung umsetzen müßen, sind diese meist um ein vielfaches teuerer als für kleinere Aufnahmeformate.

Vollformat Spiegelreflexkamera
Vollformat Spiegelreflexkamera

Neben der höheren Auflösung, tritt auch die Beugungsschärfe erst später ein als bei kleinerem Aufnahmeformat. Bei APS-C kann Beugungsunschärfe ab Blende 8 – 11 auftreten. Beim Vollformat bei Blende 1 – 16. Bei Mittelformat tritt Beugungsunschärfe erst bei Blende 11-16 auf. Wann Beugungsunschärfe auftritt ist auch vom Objektiv abhängig. Haupteinfluß hat hier aber das Aufnahmeformat.

Dennoch kann man das bei kleineren Aufnahmeformaten ausgleichen. Wenn die Schärfentiefe nicht ausreicht nutzt man Focus-Stacking. Es werden mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfeeinstellungen gemacht. So daß in jeder Aufnahme ein Teilbereich des Motives scharf abgebildet wird. Die Aufnahmen werden mit Photoshop oder einer Software wie HelicoFocus oder Zerene Stacker zusammengerechnet. Das Ergebnis ist ein durchgehend scharfes Foto.

Zusammenfassung

Zehn Hinweise welche die Landschaftsfotografie spürbar erleichtern. Mit solchen Möglichkeiten kannst du die Qualität deiner Landschaftsfotos spürbar steigern. Vorausgesetzt du hast das Wissen, zur gezielten Umsetzung. Fotowissen meine ich.

Falls du eine neue Kamera kaufen möchtest und diese hauptsächlich in der Landschaftsfotografie einsetzen willst, sollten möglichst viele dieser Punkte erfüllt werden. Zum einen ist die fotografische Umsetzung einfacher. Zum anderen bringen erfolgreich umgesetzte Landschaftsfotografien mehr Motivation und Freude.

Warum habe ich nicht die Spiegelreflexkamera als Kriterium aufgeführt? Weil spiegellose Systemkameras inzwischen vergleichbare Möglichkeiten haben. In manchen Punkten haben diese sogar Vorteile. Geringeres Gewicht und größere Objektiveauswahl über Objektivadapter sind hier nur die wesentlichen Vorteile. Ich würde mir heute nur noch eine spiegellose Systemkamera neu kaufen. Aber das ist meine Meinung. Wer ein bestehendes Spiegelreflex-System besitzt, wird hier eine andere Sichtweise haben. Vor drei Jahren hätte ich noch einer Spiegelreflex den Vorzug gegeben. In dieser Zeitspanne wurden die Spiegellosen stark verbessert. Schwächen wurden reduziert oder beseitigt. Manche Technik hat sogar Vorteile gegenüber der Spiegelreflextechnik.

10 Tipps was eine gute Kamera für Landschaftsfotos ausmacht. Ich hoffe diese Hinweise erleichtern deine Kaufentscheidung? Die Marke einer Kamera hat wenig Einfluß auf eine Landschaftsfoto. Viel wichtiger ist das Wissen und die richtige Umsetzung durch den Fotografen. Kamera und Objektiv sind lediglich das Werkzeug.