Sind Spiegelreflexkameras bessere Kameras?

Die meisten Fotolaien sind immer noch der Ansicht, daß sie mit einer Spiegelreflexakamera bessere Fotos machen können. Das mag richtig sein, sofern man das Wissen hat wie man die Fototechnik richtig und gezielt anwendet. Nicht die Kamera, sondern der Fotograf macht ein gutes Foto. Die Kamera ist lediglich das Werkzeug.

Hast du keinen Bock dich mit Foto- und Aufnahmetechnik zu beschäftigen, dann spare dir das Geld für eine Spiegelreflexkamera. Für dich ist eine vollautomatische Kamera mit Superzoom sicherlich die bessere Wahl.

Wenn du aber höhere Qualitätsansprüche an ein Foto hast, kannst du bei einer Spiegelreflexkamera die Kamera an die kommenden Fotoaufgaben anpassen. Das Objektiv und Zubehörprogramm ist vielfältig und kann sehr viele Fotoaufgaben umsetzen.

Aber muß es überhaupt eine Spiegelreflexkamera sein?

Inzwischen gibt es von einigen Herstellern auch spiegellose Systemkameras. Auch bei denen kann man das Objektiv wechseln. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Beide Systeme sind gut bis sehr gut. Es kommt darauf an, was man damit fotografieren will.

Wenn ich nicht seit Jahrzehnten mit Nikon fotografieren würde, würde ich heute mit einem anderen Kamerasystem fotografieren. Keine Spiegelreflexkamera. Wenn ich heute eine neue Kamera kaufen würde, wäre es eine spiegellose Systemkamera. Eine Sony, Fuji oder Olympus. Warum? Weil diese leichter und handlicher sind. Weil diese nicht schlechter als eine digitale Spiegelreflex sind. Da ich aber viele Objektive und Zubehör von Nikon besitze, wäre ein Systemwechsel mit hohem Verlusten bzw. Kosten verbunden. Nur deswegen fotografiere ich weiterhin mit Nikon. Wobei man bei vielen Spiegellosen auch Nikon-Objektive adaptieren kann. Allerdings gehen dabei viele Funtktionen verloren. Ganz auf den technischen Komfort möchte ich dann doch nicht verzichten. Schließlich fotografiere ich neben Landschaften auch noch andere Motive.

Was sind die Vorteile einer Spiegelreflexkamera?

  • Große Auswahl an Wechselobjektiven
  • Sehr großes Sortiment an Zubehör
  • Optischer Sucher zeigt das reale Motiv
  • Kameras mit Live-View zeigen das entwickelte Bild an
  • Verbraucht weniger Strom, wenn man das Display nicht nutzt
  • Meist kürzere Auslösezeiten
Vollformat Spiegelreflexkamera

Vollformat Spiegelreflexkamera

Was sind die Vorteile einer spiegellosen Systemkamera?

  • Große Auswahl an Wechselobjektiven durch Objektivadapter
  • Leiser, da kein Spiegelschlag
  • Im Display wird das fertig entwickelte Bild gezeigt
  • Zum Videografieren besser geeignet, da kein Spiegel hochgestellt werden muß
  • Schnellere Verschlußzeiten durch elektronischen Verschluß möglich (nur bei besseren Kameras)
  • Schnellere Bildfolge möglich (nur bei besseren Kameras)
  • Vereinzelt schnellerer Autofokus (abhängig von der AF-Technik und vom Hersteller und dem Kameramodel)
  • Häufig schwenkbares Display
Digitale Kamera mit Wechselobjektiv

Digitale Kamera mit Wechselobjektiv

Pauschal kann man nicht sagen, daß das eine oder andere Kamerasystem besser oder schlechter ist. Es kommt da auf die fotografischen Schwerpunkte an, die man mit einer Kamera umsetzen möchte. Die Unterschiede sind meist minimal. Aber dieser minimale Unterschied kann bei der Wahl der Kamera die Entscheidung ausmachen.

Manche technische Features werden je nach fotografischer Gewohnheit als Plus- als auch Minuspunkt angesehen. Das Display finden viele großartig. Man sieht das Motiv, so wie es aufgenommen wird. Da gibt es doch tatsächlich Fotografen die möchten das nicht! Die wollen das Bild im Rohformat angezeigt bekommen. So wie durch eine Spiegelreflexkamera. Ungeschönt sozusagen. Warum? Weil die meisten Profifotografen gewohnt sind eine Rohdatei erst im RAW-Konverter zu entwickeln. Das Bild wird meist mit dem Histogramm beurteilt. Wenn das ausgewogen ist, kann man den Rest noch im RAW-Konverter herauskitzeln. Ich sehe die Live-View-Funktion der meisten Kameradisplays als Vorteil an. Ich sehe das fertige Ergebnis gleich und kann bei nichtgefallen gleich vor der Aufnahme Korrekturen vornehmen. So komme ich viel schneller und effizienter zu einem besseren Foto.

Viele Fotografen sind von der Live-View-Funktion vieler Spiegelreflex- und spiegellosen Kameras begeistert. Insbesondere das leichtere Scharfstellen wird immer wieder positiv erwähnt. Durch Vergrößerung der bildwichtigen Bildstelle kann man über Liveview ganz leicht scharf stellen. Ich nicht! Bei mir funktioniert das nie! Warum? Ich bin kurzsichtig und trage inzwischen eine Gleitsichtbrille. Bisher war bei Nahaufnahmen mit Liveview noch nie die Schärfe am gewünschten Punkt. Auch nicht mit Kameras die Focuspeaking haben. Bei dieser Technik werden die scharfen Motivkanten farblich angezeigt. Bei meiner Fuji XM-1 liege ich da immer ganz knapp daneben. Bei solchen Kameras verlasse ich mich dann lieber auf den Autofocus. Wobei der im Nahbereich oft auch nicht 100%ig den gewünschten Punkt trifft. Unterm Strich ist die Quote der scharfen Bilder immer noch höher. Bei der Spiegereflexkamera nutze ich den Sucher zum Scharfstellen. Mit dem Schärfeindikator im Sucher funktioniert das beim manuell fokusieren hervorragend. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Erfahrung und diese hängt in erster Linie von meiner Sehschwäche ab. Für viele Fotografen ist die Liveview-Funktion ein positives Tool zur Scharfeinstellung.

Die spiegellosen Systemkameras haben eine großen Vorteil. Sie sind kleiner und meist leichter. Wobei das auch ein Nachteil sein kann. Bei der kleinen Fuji XM-1 verstelle ich regelmässig die Belichtungskorrektur. Auch die Videofunktion habe ich so schon ein paar mal unfreiwillig gestartet. 7 Minuten Video mit schwarzen Objektivdeckel waren allerdings sehr langweilig 😉 Beim Halten kommt man leicht mit dem Daumen an das Drehrad oder den Startknopf für das Videografieren. Seit ich einen Daumengriff für 7€ gekauft und auf dem Blitzschuh geschoben habe, passiert dies viel seltener.

Da die spiegellosen Kameras meist ein geringeres Auflagemaß für das Bajonett des Objektives haben, können auch die Objektive handlicher und kostengünstiger konstruiert werden. Zudem gibt es durch das geringere Auflagemaß viele Adapter für Objektive von anderen Kamerasystemen. Leica-Fans sind von diesen Möglichkeiten begeistert. Wobei die Leica-Objektive selten über 16 Mio Pixel auflösen können. Dennoch haben sie einen eigenen Bildcharakter. Selbst alte Objektive kann man mit einem Adapter wieder zum Leben erwecken. Ich nutze an meiner Fuji XM-1 auch ein Leica Elmarit 2,8/50 mm. Da ich diese Brennweite relativ selten benötige, reicht mir das manuelle Objektiv. Die Scharfeinstellung funktioniert allerdings nur manuell. Aber mit Focuspeaking geht das an den meisten Kameras ganz gut bis sehr gut. Die große Auswahl an Objektivadaptern eröffnet viele neue fotografische Möglichkeiten.

Die meisten Kameras haben heutzutage auch eine Videofunktion. Bei einer Spiegelreflexkamera muß man dafür erst den Spiegel hochklappen, damit man ein Video erstellen kann. Bei spiegellosen Kameras entfällt das. So gesehen sind spiegellosen Kameras für Videozwecke einfacher in der Bedienung. Wobei bei der Auswahl einer Videokamera auch noch andere technische Dinge eine Rolle spielen können.

Immer mehr spiegellose Kameras haben bei den jüngeren und besseren Modellen oft einen schnelleren Autofocus als die meisten Spiegelreflexkameras. Einige Kameras können sogar bis zu 40 – 80 Fotos in der Sekunde machen!

Kamera auf einem Stativ

Kamera auf einem Stativ

Längere Auslösezeiten haben die besseren spiegellosen Kameras heute nur noch in der unteren Preisklasse. Bei den ersten Modellen war die Auslöseverzögerung oft so lange, daß Schnappschüße nur selten realisierbar waren. Das hat sich bei den jüngeren Kameras inzwischen geändert.

Das Display ist der Sucher einer spiegellosen Kamera. Da dieser Strom benötigt, ist der Stromverbrauch auch viel höher als einer Spiegelreflexkamera. Ein oder mehrere Ersatzakkus sind bei wichtigen Fotoaufträgen Pflicht. Einen Ersatzakku habe ich aber auch immer bei einer Spiegelreflexkamera dabei. Benötigt habe ich ihn noch nie. Weder bei der Spiegelreflex noch bei der Spiegellosen.

Die jüngeren spiegellosen Kameras benötigen zum Teil weniger Strom als die älteren Modelle. Meine Fuji XM-1 wird fast täglich genutzt. Den Akku muß ich nur alle 2 – 8 Wochen gegen einen frischen austauschen. Der Stromverbrauch ist aber auch von der Größe des Display abhängig.

Bei Aufnahmen vom Stativ mit längerer Verschlußzeiten hat jede Spiegelreflexkamera einen großen Nachteil. Um fotografieren zu können, muß der Spiegel hochgeklappt werden. Dadurch entstehen Erschütterungen. Die Folge sind Verwacklungen trotz Stativ! Die besseren Kameras haben eine Spiegelvorauslösung. Bei der wird beim ersten Auslösen der Spiegel hochgeklappt und erst beim zweiten Auslösen wird belichtet. So vermeidet man Erschütterungen. Bei Kameras mit Live-View wird ebenfalls der Spiegel hochgeklappt. Wer keine Kamera mit Spiegelvorauslösung hat, kann mit Live-View genauso verwacklungsfreie Langzeitbelichtungen vom Stativ machen. Da Spiegellose Kameras keinen Spiegel haben, braucht man sich bei diesen Kamerasystemen keine Gedanken darüber machen 😉

Beim Autofokus waren bis vor kurzem die digitalen Spiegelreflexkameras meist schneller. Wobei Sony und Panasonic mit ihren jüngsten Spiegellosen stark aufgeholt hat. Zum Teil wird eine vergleichbare Autotokus-Geschwindigkeit erreicht. Dazu kommt noch eine wesentlich höhere Bildfrequenz als mit einer Spiegelreflexkamera.

Fazit:

Jedes Jahr kommen neue Kameramodelle auf den Markt. Auch die technische Entwicklung schreitet spürbar voran. Weder das eine noch andere Kamerasystem ist besser oder schlechter. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Sehr gute Aufnahmen kann man mit allen machen. Vor dem Kauf sollte man sich sehr gut überlegen für welche Fotothemen man eine neue Kamera benötigt.

Für viele Fotothemen eignen sich heutzutage auch spiegellose Kameras sehr gut. Die Unterschiede zu einer digitalen Spiegelreflexkamera sind meist minimal und liegen lediglich in einem anderen Umgang mit der Technik. Nicht besser oder schlechter, sonder anders.

Vor dem Kauf sollte man sich erst einmal Gedanken darüber machen, welche Fotothemen man fotografieren möchte. Danach sucht man sich eine Kamera und die passenden Objektive aus dem aktuellen Angebot der Kamerahersteller heraus. Wenn es in das geplante Budget passt, ist alles perfekt. Wenn das Budget nicht ausreicht, gibt es verschiedene alternative Optionen. Gebrauchtgeräte, Anforderungen herunterschrauben oder man kauft die gewünschten Geräte nacheinander.

Noch ein paar Tipps zum Kamera- und Objektivkauf:

  • Spare lieber an der Kamera, als am Objektiv.
  • Festbrennweiten haben meist die bessere optische Qualität wie Zoom-Objektive.
  • Je größer der Sensor desto mehr Bildinformationen und Details hat man auf den Fotos. Auch der Bearbeitungsspielraum kann sich dadurch erhöhen.
  • Eine Kamera die RAW-Dateien machen kann, hat in der Nachbearbeitung mehr Bearbeitungsspielraum.
  • Für Landschaftsfotos ist ein Stativgewinde an der Kamera hilfreich.
  • Ein Fernauslöseranschluß erleichtert das Arbeiten mit Stativ enorm.
  • Manuelle Einstellmöglichkeiten bei der Belichtung, Blende und ISO sind Voraussetzung für kreative Landschaftsfotografien.

Das sind nur ein paar Entscheidungskriterien. Je genauer man weiß, was man mit der Kamera Fotografieren möchte, desto detailierter werden die Anforderungen an ein Kamerasystem sein.

Wer vor der Entscheidung für eine neue Kamera steht und kein bestehendes System besitzt, sollte auch eines der spiegellosen Kamerasysteme in seinen Überlegungen berücksichtigen. Diese bieten meist eine vergleichbare Vielfalt in der Erweiterung der Kameraausrüstung.

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