Praktische Tipps zu Fotostativen in der Landschaftsfotografie

Ich weiß, das Fotostativ ist wohl eines der unbeliebtesten Gerätschaften in der Landschaftsfotografie? Dennoch ist es für viele gute Landschaftsfotos unentbehrlich. Ohne ein stabiles Stativ würde man viele Landschaftsmotive nicht umsetzen können. Selbst bei Aufnahmen am Tag kommt man mit Polfilter, Grau- und Grauverlaufsfiltern sehr schnell in Belichtungszeiten, welche man nicht mehr ohne zu verwackeln frei Hand halten kann.

Schwer ist es, das richtige Gleichgewicht zwischen einem stabilen aber nicht zu schweren Stativ zu finden. Ab wann ist ein Fotostativ schwer? Dem einen sind bereits 2 Kg zu viel. Ein anderer trägt mühelos 5 Kg Stativ. Ich kann mich vor einer Fototour auch nur schwer für ein Stativ entscheiden. Das stabilere und schwerere Manfrotto? Oder doch lieber das kleinere und leichtere Sirui? Meist nehme ich das leichtere auf Fototouren mit. Wobei der Fußmarsch meist nur 15 bis 60 Minuten dauert. Und hin und wieder trägt meine Frau das Stativ bis zum Aufnahmeort 😉

Auf mehrstündigen Wandertouren durch die Alpen wären mir beide Stativ zu lästig. Wobei es auch dort manche Location gibt, die man mit geringer Mühe erreichen kann. Da setze ich dann auch ein Stativ ein. Ich kenne allerdings auch Landschaftsfotografen, welche bei mehrtägigen Bergtouren ihr schweres Fotostativ dabei haben.

Wie findet man das beste Stativ?

Eine Checkliste wäre sehr hilfreich. Ich habe einige Kriterien für die Auswahl eines Fotostatives zusammengestellt:

Bevor ich mit der Checkliste beginne habe ich noch 3 Ratschläge:

  • Verlasst euch nicht blind auf Ratschläge von Fotofreunden oder andere Fotografen. Jeder hat eine andere Art zu fotografieren. Auch die zu fotografierenden Fotothemen können ganz andere sein. Da ist nicht immer die Empfehlung von Fotograf A für dich das richtige. Was für dich das beste Stativ ist, mußt du selbst herausfinden.
  • In der Fotografie ist es ganz normal, daß sich mit der Zeit die Interessen für Fotomotive ändern. Dadurch können sich auch die Anforderungen an ein Fotostativ ändern. Also nicht wundern, wenn ihr als engagierter Fotograf in 10 Jahren ein zweites oder drittes Stativ benötigt.
  • Probiert das auserwählte Stativ, vor dem Kauf vorher aus. Geht zu einem gut sortierten Fachhändler. Im Online-Versandhandel hat man in der EU ein 14 tägiges Widerrufsrecht. Dieses muß man deutlich beim Verkäufer geltend machen. Der Verkäufer muß dafür ein vorbereitetes Formular zur Verfügung stellen. Das 14 tägige Widerrufsrecht beginnt mit Erhalt der Ware. Ein Händler kann natürlich auch freiwillig ein verlängertes Widerrufs- oder Umtauschrecht einräumen. Manche bieten dies als Serviceleistung an. Bei anderen ist es Verhandlungssache.

Checkliste Fotostativ:

  • Mit oder ohne Mittelsäule
  • Maximale Arbeitshöhe mit Mittelsäule
  • Packmaß
  • Anzahl der Bein-Segmente
  • Verstellung der Stativbeine mit Dreh- oder Schnappverschluß
  • Nivellierplatte
  • Wasserwaage
  • Maximales Gewicht
  • Spikes für weichen Untergrund
  • Isolation an einem oder mehreren Stativbeinen für bessere Griffigkeit und als Kälteschutz bei Frost
  • Stativtasche
  • Schirmhalter

Erläuterungen:

Ob Mittelsäule oder nicht ist eine Frage der gewünschten Arbeitshöhe als auch der Stabilität. Eine Säule führt leichter zu Schwingungen, welche zu Verwackelungen führen können. Auf der anderen Seite ist eine Höhenreserve mit einer Mittelsäule eine Option, die ich nicht missen möchte.

Die Arbeitshöhe sollte so sein, daß man bequem und ohne bücken arbeiten kann. Ein sehr hohes Stativ eröffnet von hohen Standpunkten auch neue Blickwinkel. Allerdings wirkt sich das spürbar auf das Gesamtgewicht aus.

Fotostativ in der Landschaftsfotografie

Fotostativ in der Landschaftsfotografie

Das Packmaß wird relevant, wenn es um wenig Platz geht. Je kleiner ein Stativ ist, desto mehr Kompromisse geht man ein.

Die Anzahl der Beinsegmente hat Einfluß auf die Stabilität. Weniger Segmente bei gleicher Arbeitshöhe sind  stabiler. Allerdings wird das Packmaß dadurch unhandlicher.

Ob man Dreh- oder Schnappverschlüße wählt ist wohl von der persönlichen Gewohnheit abhängig. Ich habe 2 Stative. 1 mit Dreh und 1 mit Schnappverschluß. Mit Schnellverschlüßen kann das Stativ schneller auf- und abgebaut werden. In der Landschaftsfotografie ist dies meist kein Kriterium.

Eine Nivellierplatte und Wasserwaage erleichtert das Ausrichten der Kamera für Panoramaaufnahmen oder beim Fotografieren mit Tilt/Shift-Objektiven. Diese Möglichkeit kann aber auch mit einem Stativkopf nachgerüstet werden oder ist bei manchen Berlebach und Gitzo-Stativen umrüstbar.

Das Gewicht ist wohl eines der wichtigsten Kriterien. Wieviel Kilo ist man bereit durch die Landschaft zu tragen?

Spikes stabilisieren das Stativ bei weichem Untergrund.

Wer im Winter bei Minusgraden schon einmal ein Alustativ ohne Handschuhe angefasst hat, wird eine Polsterung bzw. Isolation an einem oder mehreren Stativbeinen zu schätzen wissen. Aber auch bei normalen Temperaturen greift sich solch ein Stativ beim Auf- und Abbau viel besser.

Einige Stativhersteller bieten eine passende Stativtasche an. Alternativen sind Tragegurte. An manchen Fotorucksäcken gibt es die Möglichkeit ein Stativ zu befestigen. Was besser ist? Da gibt es keine pauschale Antwort. Einfach im Fachgeschäft ausprobieren. Was einem am besten zusagt, ist das richtige.

Schirmhalter? Ja klar! In der Landschaftsfotografie kann es auch mal regnen. Ein Schirm ist da hilfreich. Wenn man allerdings 2 Hände für die Einstellungen braucht, wird der Schirm lästig. Für solch eine Situation gibt es einen Schirmhalter. An diesem wird der Schirm einfach am Stativ befestigt. Nun hat man beide Händen zum Fotografieren frei. Achtung! Vor der Aufnahme sollte man den Schirm vom Stativ wieder abnehmen. Warum? Weil Wind zur Vibrationen am Stativ und dadurch zu Verwackelungen führen könnte.

Noch 1 Tipp zum Abschluß:

Kaufe lieber einmal ein hochwertiges Stativ. Das hält bei fachgerechten Umgang mehrere Jahrzehnte lang. Wer billig kauft, kauft mindestens 2x ein Stativ.

Merken

Merken

Merken