Objektive für die Landschaftsfotografie

Für die Landschaftsfotografie kann man jedes Objektiv einsetzen. Vom 6 mm Fisheye bis zum 1200 mm Teleobjektiv. Dennoch gibt es einige Brennweiten die sehr häufig für Landschaftsfotos verwendet werden.

Hat man sehr hohe Qualitätsansprüche an ein Landschaftsfoto, wird man bei den Objektiven keine Kompromisse eingehen wollen. Die Qualität des Objektives hat hier mehr Einfluß auf die Bildqualität als die Kamera. Also lieber mehr Geld in ein Objektiv als in eine Kamera investieren. Objektive nutzt man meist viel länger als ein Kameragehäuse. Die technischen Verbesserungen bei den Objektiven erfolgen in wesentlich größeren zeitlichen Zyklen und sind dann meist auch nicht so gravierend.

Welche Kritierien hat ein qualitätsorientierter Landschaftsfotograf an ein Objektiv?

  • Sehr hohe Auflösung um mit hochauflösenden Sensoren mithalten zu können
  • Sehr gute Schärfeleistung bis in die Bildecken
  • Vermeidung von Flares (Blendenflecken bei Gegenlicht)
  • Robuste Verarbeitung
  • Schärfentiefe-Skala wäre wünschenswert, ist aber heutzutage selten vorhanden
  • Tilt-Shift-Funktion wäre super, haben allerdings nur sehr teure Spezialobjektive

Ich weiß, die letzten beiden Punkte sind zum einen Wunschdenken und letzter Punkt sogar Spezial-Objektive. Aber wünschen darf man sich das ja 😉 Am häufigsten werden in der Landschaftsfotografie Weitwinkelobjektive eingesetzt. Zumindest wenn man die Weite und Tiefe einer Landschaft darstellen möchte. Aber auch Normalbrennweiten und Teleobjektive eignen sich sehr gut für Landschaftsfotos. Damit kann man entfernte Motive heran holen und Details einer Landschaft auf das Wesentliche reduzieren.

Fisheye-Objektive

Die extremen Wölbungen bei der Bildwiedergabe sind bei den meisten Landschaftsfotos nicht gewünscht. Dennoch kann man diesen Effekt natürlich auch als Gestaltungsmittel einsetzen. Ein extrem gewölbter Horizont einer Landschaft kann auch symbolisch die runde Erde darstellen. Unser Planet auf einem Foto! Der Effekt kann sich aber auch schnell abnutzen. Aber das ist mit allen Effekten so.

Fischaugen-Objektive können das ganze Aufnahmeformat ausfüllen oder zeigen nur einen Kreis oder Teilkreis mit schwarzen Ecken. Das ist von der optischen Konstruktion abhängig.

Fischaugen-Objektive gibt es von 6 bis 16mm. Die Brennweite ist auch von der Sensorgröße abhängig. Objektive gibt es von einigen Kameraherstellern und manchen Fremdherstellern.

Eine günstige Alternative sind Fisheye-Vorsätze, welche auf ein Objektiv adaptiert werden. Allerdings ist deren Qualität auch sehr bescheiden.

Einige Fisheye-Objektive haben eine nach vorne gewölbte Frontlinse. Oft ist bei solchen Konstruktionen kein Einsatz eines Vorsatzfilters möglich. Die ersten Fisheye-Objektive hatten einen Filtereinschub hinten am Objektiv! Dadurch mußte der Filter nicht sehr groß sein. Bei den heutigen Objektiven dieser Bauart gibt es diese Option nicht mehr. Sie würde den Preis für ein Objektiv nur stark verteuern. Für manche Fisheye-Objektive gibt es spezielle Filterhalter, mit denen man Filterscheiben vor der Frontlinse nutzen kann.

Weitwinkel-Objektive

Bei Vollformatkameras haben die Weitwinkel-Objektive 14 bis 35 mm Brennweite.
Für Crop-Kameras mit kleinerem Sensor entspricht dies 10 bis 24 mm Brennweite.

Je geringer die Brennweite, desto mehr kann man auf dem Bild abbilden. Je extremer eine Weitwinkel-Brennweite ist, desto schwieriger ist eine optische Korrektur in der Herstellung. Da ist es normal, daß extremere Weitwinkel-Objektive teurer sind.

20 mm mit Nikon D610 aufgenommen

20 mm mit Nikon D610 aufgenommen

Ich persönlich nutze bei Vollformat für Landschaftsfotos am häufigsten die Brennweiten 20 und 24 mm. Aber das ist persönliche Ansichtssache und auch stark vom Motiv abhängig.

Gerade im Weitwinkelbereich wird ein großer Bildwinkel abgebildet. Da ist es sehr vorteilhaft, wenn das Objektiv keine Blendenflecken (Flares) bei Gegenlicht produziert.

Blendenflecken können bei grellem Gegenlicht entstehen. Objektive mit vielen Linsen neigen stärker zu diesen Lichtflecken. Viele der jüngeren Objektivkonstruktionen sind in dem Bereich stark verbessert worden. Dies wird meist durch spezielle Vergütungen erreicht. 100%ig sind diese aber nicht immer vermeidbar. Aber sie verhindern häufig Blendenflecken oder reduzieren diese wenigstens.

24 mm mit Nikon D610 aufgenommen

24 mm mit Nikon D610 aufgenommen

Für manche Landschaftsmotive spielt auch die Lichtstärke eine Rolle. Nachtaufnahmen einer Landschaft mit der Milchstraße am Himmel geht nur mit lichtstarken Weitwinkel-Objektiven. Blende 1,8 ist gut, Blende 1,4 ist besser. Die Aufnahmen entstehen bei offener Blende. Logischerweise müßen die Objektive dann auch bei offener Blende bereits ganz gute optische Qualität liefern. Hier haben inzwischen einige Objektivhersteller lichtstarke Weitwinkelbrennweiten im Sortiment.

Standard-Objektive

Brennweiten um die 50mm beim Vollformat. Bei Kameras mit kleinerem Sensor ist der Crop-Faktor zu berücksichtigen. Manche rechnen auch noch das 35 mm Weitwinkel zu den Normal-Brennweiten. Ausgehend vom Kleinbild bzw. Vollformat ist alles unter 43 mm (= Bilddiagonale) ein Weitwinkel.  Alles darüber ist ein Tele.

Dennoch ist im Brennweiten-Bereich 35 – 60 mm der Weitwinkel bzw. Tele-Effekt noch kaum sichtbar. So gesehen kann man subjektiv diese Einschätzung durchaus teilen.

Der Vorteil vieler Standard-Objektive ist die hohe Lichtstärke von 1,8, 1,4 oder vereinzelt 1,2. Das Noctilux von Leitz hat sogar eine Lichtstärke von 0,95! Mit rund 10.000€ (Stand 6/2016) ist das Objektiv allerdings nicht gerade günstig. Die herkömmlichen 50 mm mit Lichtstärke 1,8 sind bei vielen Kameraherstellern meist die günstigsten Objektive im Sortiment. Beim 1,4er muß man schon mehr Geld investieren.

Tele-Objektive

Die leichten Tele-Brennweiten haben 70 – 120 mm Brennweite. Bei kleineren Sensoren ist hier wieder der Crop-Faktor zu berücksichtigen. Mittlere Telebrennweiten liegen zwischen 135 mm bis 200 mm Brennweite. Alles darüber sind die langen Brennweiten. Das kann bis 1200 mm gehen. Zumindest von Canon gibt es ein Teleobjektiv mit 1200 mm Brennweite. Aber das dürfte weniger für die Landschaftsfotografie konstruiert sein?

180 mm mit Nikon D7000 aufgenommen

180 mm mit Nikon D7000 aufgenommen

Im Telebereich hat die Lichtstärke für die Landschaftsfotografie keine so hohe Priorität. Einziger Vorteil ist ein hellerer Sucher, wodurch die Scharfeinstellung leichter geht. Für die meisten Aufnahmen wird man abblenden. Wobei ich persönlich auch bei Landschaftsmotiven mit dem Tele und offener Blende gerne Details freistelle. So wie auf dem Foto vom Weinberg. Die Reben verschwimmen in Unschärfe. Nur das Weinlaub wird scharf abgebildet. Mir gefällt das Spiel zwischen Schärfe und Unschärfe.

Mit Telebrennweiten kann man Details einer Landschaft sehr gut darstellen.

Festbrennweiten

Seit ich Fotografiere bin ich ein Fan von Festbrennweiten! Eine Festbrennweite ist fast immer die qualitativ bessere Lösung als ein Zoom-Objektiv. Wer die maximale Bildqualität erzielen möchte, kommt auch heute selten an sehr guten Festbrennweiten vorbei. Nur in sehr wenigen Fällen ist ein Zoom optisch gleichwertig oder besser. Die optisch sehr guten Zoom-Objektive sind meist auch in der oberen Preisklasse angesiedelt. Festbrennweiten sind gegenüber Zoom-Objektiven oft lichtstärker, handlicher und leichter.

Zoom-Objektive

Die Brennweite zu zoomen geht viel schneller. Man hat sehr schnell den passenden Bildausschnitt. Man verpasst ein Motiv nicht mehr so schnell wie mit einer Festbrennweite. Das dürfte für die meisten Landschaftsmotive kein Argument sein. Da man in vielen Fällen sowieso mit Stativ arbeitet, hat man Zeit um das Objektiv zu wechseln.

Der große Vorteil von Zoom-Objektiven liegt am guten bis sehr guten Preis- Leistungsverhältnis. Man deckt damit mehrere Brennweiten ab. Man spart dadurch Gewicht und Geld. Einige Zoom-Objektive sind nicht so lichtstark wie eine Festbrennweite. Lichtstärke wird man in der Landschaftsfotografie nur bei Astrofotos vom Sternenhimmel benötigen. Will man solche Motive nicht machen, brauchen die Objektive auch keine so hohe Lichtstärke.

Wobei der Vor- auch ein Nachteil sein kann. Lieber schleppe ich mein leichtes Nikon 2,8/180er Tele durch die Gegend als das wesentlich schwerere 2,8/70-200 Tele-Zoom. Meist nutzt man sowieso nur die oberste oder unterste Brennweite bei einem Zoom.

Tilt/Shift-Objektive

Der Traum eines jeden qualitätsorientierten Landschaftsfotografen! Durch das Tilten kann man nach Scheimpflug die Schärfeebene verstellen. So kann man Landschaftsfotos fotografieren, die von vorne bis hinten scharf sind. Mit der Shift-Funktion kann man Linsenelemente parallel verschieben. Je nach Verschiebeweg kann man diese Möglichkeit auch für Panoramaaufnahmen mit 2 Bildern nutzen! Man kann mit der Shift-Verstellung aber auch stürzende oder kippende Linien gerade stellen.

In der Landschaftsfotografie werden meist Weitwinkel-Objektive mit Tilt und Shift-Möglichkeit eingesetzt. In den meisten Fällen sind es sehr gute optische Qualitäten. Warum? Damit die optische Qualität beim tilten oder shiften hoch bleibt, ist ein größerer Bildfeldkreis erforderlich. Und dieser sollte natürlich auch bis in die Bildränder von höchster optischer Qualität sein. Technisch ist das nicht immer realisierbar. Aber da hilft meist abblenden um die Qualität auch in den Bildrändern zu verbessern.

Tilt/Shift-Objektive sind sehr teuer. Je nach Hersteller zwischen 1000 – 6000 € für eine digitale Vollformat-Kamera. Die Canon und Nikon-Objektive in diesem Bereich liegen je nach Brennweite preislich zwischen 1500 – 4000 €.

Autofokus ist nicht möglich. Derzeit gibt es keine Autofokustechnik, die mit verstellten Linsen zureicht kommt. Die Objektive können manuell fokusiert werden. Die Blendeneinstellung erfolgt in den meisten Fällen auch per Hand.

Ein stabiles Stativ ist bei Tilt/Shift-Objektiven Pflicht. Für die Landschaftsfotografie eignen sich Weitwinkelbrennweiten am besten.

Zusammenfassung

Ja, ich gebe zu, daß meine Übersicht den Schwerpunkt auf hochwertige Objektive legt. Das ist begründet in meiner persönlichen Erfahrung und meinen Ansprüchen an ein knackescharfes Landschaftsfoto.

Natürlich kann man auch mit günstigen Objektiven gute Landschaftsfotos machen. Wer aber einmal den Unterschied zwischen einem Set-Zoom und einem hochwertigen Zoom oder Festbrennweite auf dem Monitor gesehen hat, wird das Set-Zoom nur noch im Notfall oder aus Bequemlichkeit verwenden. Man sieht den Unterschied.

Wer nur Erinnerungsfotos auf dem Display eines Smartphones oder Monitor zu Hause betrachten möchte, der wird auch mit günstigen Optiken zufrieden sein.

In erster Linie geht es mir darum aufzuzeigen, welche Objektivvielfalt es gibt. Nicht jede Objektivtechnik ist für jedes Kamerasystem erhältlich. Wer hauptsächlich Landschaftsfotos machen möchte, sollte sich vor dem Kauf einer Kamera, auch über die verfügbaren Objektive informieren.

Als Fan von Festbrennweiten nutze ich ein 1,8/20 mm von Nikon sehr häufig für weite Landschaftsaufnahmen. Davor hatte ich das 2,8/24-70 mm häufig im Einsatz. Hin und wieder kommt auch noch das 2,8/180 mm für Detailaufnahmen zum Einsatz. Das 2,8/70-200 mm ist mir zum schleppen meist zu schwer. Aber das ist auch für andere Fotoaufgaben gedacht.

Konkretere Empfehlung zu Fotogeräten gibt in der Rubrik Beratung.

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