Filter in der Landschaftsfotografie

Es gibt doch tatsächlich Zeitgenossen, die sind der festen Überzeugung, daß man in der Digitalfotografie keine Filter mehr benötigt! Heute kann man jeden Effekt auch digital per Bildbearbeitung oder App erstellen. Mag sein. Aber Bildbearbeitung ist meist sehr zeitaufwändig. Und Apps übertreiben einen Effekt schnell. Und manche Bildbearbeitung reduziert die Qualität einer Aufnahme.

Auch ich halte manchen Filter für überflüssig. UV- und Skylight-Filter habe ich bereits zu analogen Fotozeiten verbannt. Schnell fiel mir auf, daß diese die Bildschärfe sichtbar reduzieren! Selbst bei hochwertigen mehrschichtenvergüteten Markenprodukten konnte ich bei Vergleichsaufnahmen vom Stativ Schärfeverluste auf den Dias erkennen. Als Schutz der Frontlinse verwende ich stattdessen eine Sonnenblende. Diese schützt die Frontlinse in Form eines Abstandhalters. Zudem sorgt eine Streulichtblende bei Seiten- und Gegenlicht für einen besseren Kontrast.

Lediglich bei Aufnahmen am Strand mit starkem Wind und Gischt habe ich in den letzten Jahrzehnten einen hochwertigen UV-Filter zum Schutz der Frontlinse eingesetzt. Das war auch notwendig. Bei Aufnahmen von Surfern auf Gran Canaria, war der Filter schnell vom Salzwasserdampf benetzt! Der Filter war wesentlich günstiger zu entsorgen als der Austausch einer neuen Frontlinse. Schutzfilter kommen bei mir nur bei extremen Staub oder Salzwasser auf das Objektiv. Aber auch nur, wenn nicht schon ein anderer Filter verwendet wird.

Auch einen Skylight-Filter kann man sich in der digitalen Fotografie sparen. Dafür haben die Kameras heute einen Weißabgleich. Oder man kann nachträglich per Bildbearbeitung den Farbcharakter korrigieren.

Dennoch gibt es einige Filter, welche in der Landschaftsfotografie weiterhin sehr hilfreich sind.

Polfilter

Polfilter vermindern oder vermeiden Spiegelungen auf nicht metallischen Oberflächen. Manche Landschaftsfotografen benutzen den Polfilter sogar für fast jede Aufnahme. Da bleibt dieser Filter permanent auf dem Objektiv.

So extrem nutze ich den Polfilter nicht. Ehrlich gesagt bin ich oft viel zu faul um ihn einzusetzen. Da der Polfiter einige Blenden Licht schlucken kann, benötigt man sehr viel Licht oder und häufig ein Stativ. Ohne Stativ würde man sonst viele Polfilter-Fotos verwackeln. Ehrlich gesagt bin ich nicht der große Stativschlepper. Nur, wenn ich die maximale Qualität aus einem Landschatsmotiv herausholen will, arbeite ich mit Stativ.

Polfilter gibt es linear und zirkular. Lineare Polfiter kann man bei Kameras einsetzen, die keinen Autofokus, keine Belichtungsmessung durch das Objektiv und keinen teildurchlässigen Spiegel haben. Das ist bei den meisten modernen Kameras nicht der Fall. Wenn dann meist bei älteren, meist mechanischen Kameras oder Kameras ohne elektronische Hilfsmittel.

Der zirkular Polfilter ist für die meisten Kameras die richtige Wahl. Bei Kameras mit teildurchlässigen Spiegel. Kameras mit Autofokus und Belichtungsmessung durch das Objektiv. Das sind mit Sicherheit weit über 90% der aktuellen Kameramodelle. Ein zirkularer Polfilter ist auch für Kameras einsetzbar, für die ein linearer geeignet wäre. Mit dem zirkularen Polfilter macht man nichts falsch.

Farn im Zauberwald - mit Polfilter

Farn im Zauberwald – mit Polfilter

Polfilter gibt es als Schraubfilter oder Steckfilter mit Filterhalter. Am verbreitesten sind Schraubfilter. Am besten kauft man einen Polfilter für das Objektiv mit dem größten Filterdurchmesser. Auf die Objektive mit geringerem Filterdurchmesser kann man ihn mit einem Reduzierring anpassen.

Bessere Polfilter haben eine Mehrschichtenvergütung und sind entspiegelt. Käsemann-Polfilter sind nicht besser oder schlechter. Hier sind die 2 Polfilterfolien zwischen dem Glas abgedichtet. Dadurch kann sich kein Kondenswasser oder Staub zwischen Glas und Polfilterfolie bilden. Herr Käsemann hat das Verfahren zum Abdichten entwickelt. Aus diesem Grund haben solche Polfilter die Bezeichnnung Käsemann. Das Käsemann-Verfahren eignet sich für staubige oder feuchte Einsatzregionen. Aber auch bei häufiger Nutzung kann Staub über die Jahre im Filter eindringen. Eine Käsemann-Ausführung verhindert dies.

Wann setze ich einen Pol-Filter ein? Immer wenn die Farben intensinver sein sollen. Um Lichtreflexe zu mindern. Um längere Verschlußzeiten zu erreichen. Fotos im Wald bei oder nach Regen sind ein sehr gutes Beispiel. So entstand auch das Foto Farn im Zauberwald. Mit einem Polfilter habe ich die hellen Lichtreflexe des bewölkten Himmels stark reduziert. Das Bild wirkt so viel farbintensiver. Bei blauen Himmel sorgt der Polfilter oft für intensiveres blau. Vorsicht bei Weitwinkeklaufnahmen! Da ist der Effekt nicht immer gleichmässig, da der Bildwinkel größer ist. Da kann der Polfilter-Effekt unterschiedlich stark ausfallen. Aber das kann man ja vor der Aufnahme prüfen. Und wenn es nicht anders realisierbar ist, kann man mit Bildbearbeitung den Himmel nachbessern.

Graufilter – ND-Filter

Neutraldichte-Filter ist die technische Bezeichnung. Umgangssprachlich wird er auch Graufilter genannt. Sinn und Zweck des Filters, ist die Reduzierung von Licht.

Eingesetzt wird der Graufilter, wenn man zuviel Licht hat. Wenn man eine längere Verschlußzeit einstellen möchte um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Welchen Effekt? Manche Motive wirken in der Langzeitbelichtung interessanter. Ein Klassiker ist da fließendes Wasser.

Todtmooser Wasserfall im Schwarzwald

Todtmooser Wasserfall im Schwarzwald

Ohne Graufilter wäre der Wasserschleier nicht realisierbar gewesen.

Graufilter gibt es in unterschiedlichen Dichte-Stärken. Je dichter der Graufilter, desto mehr verlängert sich die Verschlußzeit oder muß die Blende weiter geöffnet werden.

ND 0,3 = 50% Durchlässigkeit = Verlängerungsfaktor x2 = Blendenstufen 1
ND 0,6 = 25% Durchlässigkeit = Verlängerungsfaktor x4 = Blendenstufen 2
ND 0,9 = 12,6% Durchlässigkeit = Verlängerungsfaktor x8 = Blendenstufen 3
ND 1,8 = 1,6% Durchlässigkeit = Verlängerungsfaktor x64 = Blendenstufen 6
ND 3,0 = 0,1% Durchlässigkeit = Verlängerungsfaktor x1000 = Blendenstufen 10

Ich nutze für Landschaftsaufnahmen einen ND 0,9, ND 1,8 und ND 3,0. Der ND 3,0 kommt allerdings sehr selten zum Einsatz. Im Bereich ND 0,3 bis ND 0,6 nutze ich meist einen Polfilter. Damit erreicht man meist den gleichen Verlängerungseffekt.

Die ND-Filter gibt es als Schraubfilter als auch Filterscheiben für Haltersysteme. Bei einem Schraubfilter empfiehlt sich der Kauf eines Filter mit dem größten Objektivdurchmesser der eigenen Objektive. Mit Reduzierringen kann man den Filter auf Objektive mit geringeren Filterdurchmesser anpassen.

Graufilter sind farbneutral. Dennoch kann es bei Langzeitbelichtungen einen Farbstich geben. Bei Billigprodukten ist der Farbstich oft sehr stark. Bei hochwertigen Filtern meist sehr gering. Dies liegt nicht immer am Filter, sondern daran, daß bei Langzeitbelichtungen mehr Licht aus dem Infrarotbereich auf den Sensor / Film gelangt. Dieser Effekt führt zu Farbverschiebungen. Korrekturen sind durch den Weißabgleich möglich. Da man den Farbstich meist erst am Monitor richtig erkennen kann, ist eine Aufnahme im RAW-Dateiformat besser. Im RAW-Konverter läßt sich der Weißabgleich verlustfrei korrigieren.

Bei diesem Filter verwende ich einen Schraubfilter. Diese sind aus optischen Glas und meist besser als eine Filterscheibe. Wie beim Polfilter habe ich die Filter im größten Objektivdurchmesser meiner Objektive gekauft. Auf Objektive mit geringerem Filterdurchmesser wird der Filter mit günstigen Reduzierringen angepasst. Wer Fisheye- und Weitwinkelobjektive ohne Filtergewinde nutzt, der sollte sich die Filterhalter-Systeme anschauen. Hier gibt es von manchen Anbieter auch Lösungen um eine Filterscheibe vor dem Objektiv zu nutzen.

Grau-Verlauffilter

ist ein grauer Neutraldichte-Filter über einen Teilbereich des Filters. Damit kann man in einem zu hellen Bildbereich das einfallende Licht reduzieren. Dieser Bereich erhält dadurch mehr Zeichnung. Dies wird auch Kontrastausgleich genannt.

Gerade in der Landschaftsfotografie kommt es häufig vor, daß der Himmel ein Teil des Motives ist. Meist ist der Kontrast zwischen Himmel und Landschaft viel zu hoch. Das Ergebnis ist entweder ein überbelichteter Himmel oder eine unterbelichtete Landschaft.

Ein Grau-Verlaufsfilter gleicht diesen hohen Lichtkontrast aus.

Diese Filter gibt es in Schraubversion als auch als Filterscheibe für Filterhalter. Die Schraubversion ist bei diesem Filter weniger sinnvoll, da man den Effekt nicht in der Höhe verstellen kann. Das macht nur Sinn, wenn der Horizont immer in der Mitte ist. Ein mittiger Horizont ergibt allerdings meist langeweilige Landschaftsfotos. Eine Filterscheibe kann man dagegen verschieben und den Grauverlauf an die gewünschte Position bringen.

Grau-Verlauffilter in Scheibenform gibt es von Cokin, Resin, Lee und weiteren Herstellern. Cokin ist sehr günstig. Allerdings verkratzen die Kunststoffscheiben leicht und mindern auch minimal die optische Qualität eines Objektives. Sehr hochwertig sind die Lee-Filter. Allerdings auch sehr teuer. Eine kostengünstigere Alternative zu den Lee-Filtern sind die Filter von Singh-Ray, Hitech und Haida. Diese sind ebenfalls auf sehr hohem optischen Niveau und verkratzen nur sehr schwer, da sie aus speziellen Kunststoffmischungen bestehen. Die hochwertigen Filterscheiben sind aus härterem Spezial-Kunststoff oder mit einer härtenden Beschichtung, um Kratzer zu vermeiden. Auch die optische Qualität ist bei den teuren Ausführung sichtbar besser.

Dunkle Wolken und Weinberg

Dunkle Wolken und Weinberg

Den grauen Verlauf gibt es in unterschiedlichen Stärken. Mit weichen und mit harten Übergang. Ein harter Übergang wirkt bei Motiven mit geraden Horizont natürlicher. Ein weicher Übergang ist für ungleichmässige Horizonte besser geeignet. Und eine weitere Variante ist der Reverse-Filter. Dieser ist von der Mitte dunkler und wird nach oben oder unten heller. Möglicher Einsatz ist hier auch ein gerader Horizont mit Himmel.

In der Praxis benötigt man meist 2 bis 3 Stärken. ND 0,3, 0,6 und 0,9 mit 1, 2 und 3 Blenden weniger sind eine hervorrgende Grundausstattung für die Landschaftsfotografie. Ich nutze meist den ND 0,6 oder ND 0,9. Bei kräftigem Gegenlicht auch manchmal beide zusammen.

Allgemeine Hinweise zu Foto-Filtern:

Schraubfilter kauft man für das Objektiv mit dem größten Filterdurchmesser. Für die anderen Objektive kann man den Filter mit Reduzierringen anpassen. Bei den Reduzierringen gibt es übrigens auch gewaltige Qualitätsunterschiede. Billige Produkte sind meist aus Aluminium. Einmal nicht sauber aufgeschraubt, kann das Gewinde bereits Schaden nehmen. Eine wesentlich besser Qualität haben Reduzierringe aus Messing. Das Metall ist härter und das Gewinde wird nicht gleich beim ersten schrägen Schraubversuch beschädigt. Glaubt mir, in der Hektik ist ein verkanten schnell passiert. Die Adapterringe von Heliopan sind aus Messing und scharzmatt beschichtet.

Pol-Filter kaufe ich immer zirkkular. Selbst wenn man gerade eine Kamera hat, wo ein linear-Polfilter ausreichend wäre. Schließlich könnte sich die Kamera ja mal ändern und dann hat man bereits einen passende Pol-Filter und spart sich eine weitere Investition. Pol-Filter kaufe ich nur von Markenherstellern. Ob man einen Käsemann-Polfilter braucht ist schwierig zu sagen. Wenn man viel in feuchten oder sandigen Regionen wie Urwald und Wüsten unterwegs ist, wäre der abgedichtete Käsemann-Polfiter meine erste Wahl. In unseren Breitengraden ist die Mehrausgabe für die Käsemann-Abdichtung nicht erforderlich.

Jeder Filter vor einem Objektiv kann die Bildqualität reduzieren. Hier halte ich es nach der Devise: Weniger ist mehr! Sofern irgendwie möglich setze ich nur einen Filter ein. 2 oder 3 Filter erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf optische Fehler um das 2 bis 3-fache.

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