Das beste Objektiv für die Landschaftsfotografie?

Bereits in der Fototechnik habe ich die möglichen Objektive und Brennweiten erläutert. Im Prinzip kann man jedes Objektiv auch in der Landschaftsfotografie einsetzen. In erster Linie ist es abhängig was man wie darstellen möchte.

Am häufigsten werden für die Landschaftsfotografie Weitwinkelobjektive empfohlen. Damit bekommt man viel Landschaft auf ein Bild. Für Kameras im Vollformat gibt es Brennweiten von 14 bis 35 mm. Crop-Kameras mit kleinerem Sensor haben einen vergleichbaren Weitwinkelbereich von 10 bis 24 mm.

20 mm mit Vollformat aufgenommen

20 mm mit Vollformat aufgenommen

Viele Objektivhersteller bieten in diesem Bereich Zoomobjektive an. Damit deckt man den wesentlichen Weitwinkelbereich in der Landschaftsfotografie sehr gut ab. Wegen der meist besseren optischen Qualität nutze ich am liebsten Festbrennweiten. Häufig kommt bei mir das Nikon AF-S 1,8/20 mm und das AF-S 2,8/24-70 mm zum Einsatz. Wobei ich bei dem Zoom meist die 24 mm für Landschaftsfotos nutze. Ein Vorteil der Festbrennweite ist der bessere Naheinstellbereich gegenüber einem Zoomobjektiv. Damit kann man ein Landschaftsmotiv mit einem Eye-Catcher im Vordergrund besser realisieren und häufig interessanter gestalten. Und sollten mal 20 mm Brennweite nicht ausreichen, mache ich einfach ein Panorama aus 2 oder mehr Aufnahmen. Da man sowieso meist mit Stativ arbeitet, ist eine Panoramaaufnahme recht schnell und präzise erstellt.

Der große Bildwinkel von Weitwinkelobjektiven ist manchmal auch sehr vorteilhaft. Dadurch erreicht man durch Abblenden einen großen Schärfebereich.

Beispiel Vollformat, 20 mm Objektiv, Blende 8 = Entfernungseinstellung 1,69 m = Das Motiv ist von 84,33 cm bis unendlich durchgehend scharf.
Beispiel Vollformat, 20 mm Objektiv, Blende 11 = Entfernungseinstellung 1,23 m = Das Motiv ist von 61,61 cm bis unendlich durchgehend scharf.

So  erhält man ein Foto das von vorne bis hinten scharf ist. Die passende Entfernungseinstellung nennt man hyperfokale Distanz. Bei manchen Objektiven kann diese über eine Skala am Entfernungsring eingestellt werden. Die meisten Objektive haben diese Skala leider nicht. Hier hilft eine App oder Tabelle mit den möglichen Einstellwerten des Objektives. Eine Automatik gibt es dafür derzeit nicht. Deswegen muß die hyperfokale Distanz von Hand am Objektiv eingestellt werden. Zu analogen Zeiten gab es bei einigen Canon EOS-Kameras solch eine Automatik. Den nächsten und entferntesten Punkt fokussieren und speichern. Die Automatik hat dann die richtige Entfernung ausgewählt, damit das Bild in dem Bereich scharf wird. Als Faustregel werden häufig 1/3 Schärfe vor dem eingestellten Entfernungspunkt und 2/3 dahinter genannt. Das stimmt nicht immer. Diese Faustformel kann man höchstens als grobe Einschätzung übernehmen, wenn keine andere Infoquellen verfügbar ist. Aber selbst dann wird es nicht immer passen.

Standard- und Tele-Brennweiten eignen sich auch für die Landschaftsfotografie. Mit Tele-Objektiven kann man sehr gut Details einer Landschaft darstellen. Man kann ein Landschaftsmotiv auf das wesentliche reduzieren. Je mehr Tele man einsetzt, desto geringer wird der Schärfebereich. Das liegt am kleineren Bildwinkel von Tele-Objektiven.

Gletscherzunge mit 180 mm aufgenommen

Gletscherzunge mit 180 mm aufgenommen

Eine durchgängige Schärfe ist meist nur bei Motiven in größerer Entfernung realisierbar. Gestaltungen mit Eye-Catcher im Vordergrund sind schwieriger realisierbar. Und wenn doch, dann wird der Hintergrund meist in Unschärfe aufgelöst. Wenn das gewünscht ist, kann man es gestalterisch einsetzen. Wenn auch der Hintergrund scharf abgebildet werden soll hilft nur eine geringere Brennnweite oder mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfebereichen als Focus Stacking, welche per Software zu einem scharfen Bild zusammen gerechnet werden können. Auch für Tele-Objektive gibt es zahlreiche Landschaftsmotive.

Makro-Objektive

Sind weniger für die Landschaftsfotografie konstruiert. Dennoch eigenen sie sich auch für Landschaftsfotos. Je nach Kamera-Sensor und Hersteller gibt es Makro-Objektive zwischen 30 bis 200 mm Brennweite. Die Brennweiten sind vom Standard bis in den Telebereich. Weitwinkel sind als Makro-Objektiv nicht üblich.

Tilt/Shift-Objektive

Insbesondere die Tilt-Funktion ist für manche Landschaftsfotografien interessant. Damit kann man die Schärfeebene verlagern. Ein Blumenfeld kann man damit von vorne bis hinten scharf abbilden. Wozu? Wenn man ein Weitwinkel stark abblendet geht das doch auch? Klar geht das. Allerdings gibt es bei zu starkem Abblenden die Beugungsunschärfe. Das Bild wird dadurch unschärfer. Und genau das will man in der Landschaftsfotografie meist nicht. Hier ist in manchen Situationen ein Tilt-Objektiv die bessere Lösung. Maximale und durchgehende Schärfe ohne Beugungsunschärfe dank der Tilt-Verstellung.

Nikon 45 mm Tilt/Shift Objektiv

Nikon 45 mm Tilt/Shift Objektiv

Mit der Shift-Funktion kann man stürzende Linien korrigieren. Uninteressant für den Landschaftsfotografen? Nein, auch diese Verstellmöglichkeit kann in der Landschaftsfotografie sinnvoll eingesetzt werden. Wenn man mit einem Weitwinkel Bäume im Wald fotografiert,  können die Baumstämme ebenfalls kippen. Mit einem Shift-Objektiv kann man das kippen korrigieren. Nutzt man die Shift-Funktion quer, kann man damit auch eine leichte Panorama-Funktion nutzen! 2 versetzte Aufnahmen machen. Beide Fotos per Bildbearbeitung zusammensetzen. Und schon hat man eine größere Datenmenge und mehr Bildinformationen mit höherem Auflösungsvermögen. Der Vorteil der meisten Tilt-Shift Optiken ist die sehr gute optische Qualität. Die Objektive haben einen größeren Bildfeldkreis, damit der Qualitätsabfall beim Shiften und Tilten nicht zu hoch ausfällt. Nachteile sind Unhandlichkeit, manuelle Scharfeinstellung und ein sehr hoher Preis.

Wie nutzt man ein Tilt-Shift-Objektiv? Kamera mit Objektiv kommen auf ein Stativ. Die Kamera wird mit einer Wasserwaage ausgerichtet. Die Shift-Einstellung wird nach oben oder unten der gewünschte Bildausschnitt gewählt! Die Schärfentiefe wird kontrolliert. Reicht diese nicht aus, kann der Schärfebereich mit der Tilt-Einstellung erweitert werden. Bei Weitwinkelobjektiven reichen meist 0,5 – 1 mm Verstellung aus!

Übersicht von Tilt/Shift-Objektiven im Weitwinkelbereich für Vollformat-DSLR (9/2016):

  • Samyang / Walimex 24 mm 1;3,5 ca. 1000 €
  • Canon TS-E 17 mm 1:4L ca. 2500 €
  • Canon TS-E 24 mm 1:3,5L II ca. 1800 €
  • Nikon PC-E 24 mm 1:3,5 ED ca. 1800 €
  • Hartblei (Zeiss Linsen) 40 mm 1:4 ca. 5395 €
  • TS Super-Angulon 4,5/28 ca. 6.500 €

Wo liegen die Vor- und Nachteile dieser Hersteller?

Das Super-Angulon und Hartblei haben ein Stativgewinde am Objektiv. Hilfreich für Panoramaaufnahmen, da eine Ausrichtung auf die optische Achse reduziert wird.

Das Super-Angulon, Hartblei und die Canon können die Tilt + Shiftfunktion in Hoch- und Querformat unabhängig voneinander kombiniert werden. Beim Nikon ist dies nicht möglich! Da kann man nur die Shift-Funktion um 90 Grad drehen. Die Tilt-Möglichkeit ist daran gekoppelt und kann nicht in jeder Kombination genutzt werden. Offenbar wurde das Nikon für Architekturfotografen konstruiert? Es kann aber beim Nikon-Service gegen Gebühr geändert werden. Dabei wird lediglich die Tilt-Einstellung um 90 Grad umgesetzt. Nun kann man Shift + Tilt im Quer + Hochformat für die Landschaftsfotografie nutzen.

Das Canon TS-E 24 mm hat eine hervorragende optische Qualität. Das vergleichbare Nikon PC-E 24 mm hinkt in diesem Punkt leider hinterher.

Wenn man die maximale Schärfe und Bildqualität bis in den Randbereich erzielen möchte, fährt man bei allen Objektive mit Blende 8 – 11 am besten. Damit vermeidet man Beugungsunschärfe. Nutzt die optimale Schärfe des Objektives. Und wenn die Schärfentiefe nicht ausreicht, kann man das über die Tilt-Verstellung ausgleichen.

Nutze ich ein Tilt-Shift-Objektiv? Ja, allerdings nur im Studio. Ein Nikon PC-E 45 mm. Ein hervorragendes Objektiv mit großartiger Schärfeleistung! Für die Landschaftsfotografie hatte ich auch mal das 24 mm von Nikon in Erwägung gezogen. Ich habe diesen Gedanken wieder verworfen. Warum? Die optische Qualität entspricht nicht ganz meinen Ansprüchen. Die kann man durch das Abblenden auf 8 – 11 optimieren. Im Randbereich ist die Qualität allerdings immer noch schwächer als man sie von vergleichbaren Objektiven und Brennweiten kennt. Zudem ist der Umbau für die Landschaftsfotografie nervig und mit Zusatzkosten verbunden und schränkt dann wiederum die Einsatzmöglichkeiten ein. Sorry Nikon, daß können andere Hersteller inzwischen besser. Hier wäre eine Version II mit diesen Verbesserungen überfällig. Eine zeitgemäße optische Qualität und unabhängige Tilt-Shift-Einstellung sowohl im Quer- als auch Hochformat. Dann würde ich mir mit Sicherheit auch solch ein Objektiv kaufen.

Warum keine Alternative? Das Samyang ist mir zu flau im Kontrast. Optisch zudem nicht besser als das Nikon. Und das Hartblei und Schneider haben mir für Landschaft zuwenig Weitwinkel. Und das Canon 24 mm passt nicht auf meine Nikon. Schade. Als Canon-Fotograf wäre es bereits in meinen Bestand. Warum? Weil es optisch hervorragend ist und alle Einstellmöglichkeiten bietet die man braucht.

Gibt es Alternativen zu einem Tilt-Shift-Objektiv?

Ja, es gibt einige Objektivadapter die die Tilt und oder Shift-Funktion integriert haben. Allerdings sind noramle Objektive dafür meist nicht mit ausreichenden Bildkreis. D.h. in Randbereich muß man stark sichtbare Qualitätseinbussen akzeptieren. Für meine Art der Landschaftsfotografie keine Alternative. Zum experimentieren aber durchaus eine brauchbare Alternative.

Was ist nun das beste Objektiv für die Landschaftsfotografie?

Das gibt es nicht. Es kommt immer darauf an, was man in welcher Form darstellen will. Dennoch will ich versuchen ein paar Hinweise zu geben:

Hochauflösende Landschaftsfotos für Vollformat:

Ein 24 mm Tilt-Shift-Objektiv. Wem das zu teuer ist ein 20 oder 24 mm Objektiv als Festbrennweite. Wer es bequemmer mag, nimmt ein 14 – 24 mm Zoom. Für Crop oder APS-C gibt es vergleichare Objektive.

Ein gutes Makro-Objektiv mit 60, 85 oder 100 mm Brennweite. Damit kann man auch mal Details festhalten.

Für Details in der Ferne 200 – 300 mm Brennweite. Mit einem Zoom geht der Bildausschnitt leichter.

Für unbeschwerte Landschaftsfotos:

Ein Weitwinkelzoom von 14 – 24 mm für Vollformat oder 10-20 mm für Crop-Kameras.
Noch bequemmer ist ein Universalzoom wie ein 16 – 85 oder 17 – 50 mm oder ähnliche Brennweitenbereiche. Ein 18 – 300 mm mag auch gehen, hat allerdings bei den meisten Brennweiten eine geringere optische Qualität.

Für Erinnerungsfotos:

Kann man fast alles nutzen. Je nach Anspruch den man an ein Foto hat von der Smartphone-Linse bis zu einem der bereits genannten Objektive.

Meine aktuelle Fotoausrüstung für die Landschaftsfotografie:

  • Nikon D610
  • Nikkor AF-S 1,8/20 mm
  • Nikkor AF-S 2,8/24-70 mm
  • Nikkor AF-S 2,8/70-200 mm
  • Nikkor AF-D 2,8/180 mm
  • Verschiedene Lee-Grau-Verlauffilter
  • Verschiedene B+W Graufilter
  • Zirkular Polfilter
  • Siriu + Manfrotto Stativ
  • Getriebeneiger MA410 von Manfrotto
  • Fernauslöser

2017 hat sich meine Fotoausrüstung durch einen Systemwechsel geändert:

  • Fuji X-T2
  • Fuji XE-1 Umbau für Infrarot
  • XF 14mm
  • XF 23mm
  • XF 60mm Makro
  • XF 90 Makro
  • Zubehör wie bei der Nikon

Das war es schon. Meine Fotoausrüstung besteht noch aus viel mehr Geräten. Die aufgelisteten sind die, welche in am meisten in der Landschaftsfotografie einsetze. Das Tele-Zoom kommt sehr selten zum Einsatz. Die Weitwinkel-Brennweite nutze ich am häufigsten.

Zum Kontrastausgleich nutze ich verschieden starke Lee-Verlauffilter. Wenn längere Verschlußzeiten erforderlich sind nutze ich die B+W Graufilter. Der Getriebeneiger von Manfrotto ist zwar unhandlich, dafür kann ich damit den Bildausschnitt sehr exakt einstellen.

Die Ausrüstung soll nur ein Beispiel sein. Jeder Fotograf hat eine andere Arbeitsweise, Gewohnheiten und Vorlieben. Im Prinzip reicht eine Kamera mit einem Weitwinkel bereits aus um gute bis sehr gute Landschaftsfotos zu machen. Wichtig ist hier auch noch die Weiterverarbeitung durch die Bildbearbeitung. Ich versuche diese gering zu halten. Wenn man hohe Ansprüche an das Endfoto hat, gibt es immer etwas zu optimieren.

 

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