Bildgestaltung in der Landschaftsfotografie

Wer ein Bild vor der Aufnahme bewusst gestaltet, wird in den meisten Fällen ein besseres Foto machen. Dazu sollte man sich im Vorfeld ein paar Gedanken machen. In der Praxis wird das nicht immer realisierbar sein. In der Landschaftsfotografie hat man aber meist genügend Zeit um die Möglichkeiten zur Bildgestaltung prüfen zu können. Was final umsetzbar ist, wird von den Gegebenheiten vor Ort und den verfügbaren Möglichkeiten abhängen.

Bildgestaltung besteht nicht nur aus ein oder ein paar Punkten die man berücksichtigen könnte. Bildgestaltung beinhaltet alle gestalterischen Aspekte. Ein paar davon möchte ich hier erläutern. Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer mehr über die Bildgestaltung in der Fotografie wissen möchte, findet im Internet zahlreich weiterführende Seiten. Eine gute Alternative ist auch ein Fachbuch über die Bildgestaltung.

Meine persönliche Empfehlung ist das Buch: Das Handwerkszeug des Fotografen – 60 Workshops. David DuChemin führt mit 60 Aufgaben den Fotografen zu einer kreativen Sichtweise. Man lernt durch die Übungen fototechnisches Wissen als auch Bildgestaltung. Das Buch ist auch als eBook erhältlich.

TIPP:
Oft werden die Möglichkeiten der Bildgestaltung als Regeln fehlinterpretiert. Das sind keine Regeln. Das sind Möglichkeiten. Es kommt immer darauf an, was ein Fotograf mit einem Bild aussagen möchte. In manchen Bildaussagen ist auch eine bewusste Mißachtung eine Bildgestaltungsmöglichkeit genau richtig. Genau diese bewusste andere Gestaltung kann die Aussage eines Bilder steigern. Also ruhig auch mal ein Foto gegen alle Bildgestaltungsempfehlungen machen!

Hoch- oder Querformat?

Schon einmal darüber nachgedacht? Ehrlich gesagt vergesse ich diesen Gestaltungspunkt auch sehr oft. Da man eine Kamera im Querformat leichter halten kann, ist es oft auch Gewohnheit so zu fotografieren.

Manche Motive wirken im Hochformat eindrucksvoller. Allerdings kommt es auch auf die Betrachtungsgröße eines Bildes an.

Hochformat in der Fotografie

Hochformat in der Fotografie

Ein alter stark verzweigter Baum kann im Hochformat größer wirken. Jedes Motiv wo man Höhe suggerieren will, eignet sich sehr gut für das Hochformat. Je größer ein Bild präsentiert wird, umso eindrucksvoller kann das Hochformat wirken.

Drittel-Regel

Das Bild wird durch zwei waagerechte und senkrechte Linien, welche im gleichen Abstand sind, in 9 Teile geschnitten. Das Hauptmotiv wird in eine der 4 Schnittpunkte positioniert. Oder bei Landschaften wird der Horizont auf die untere oder obere Linie gesetzt.

Drittel-Regel in der Fotografie

Drittel-Regel in der Fotografie

Das Wort Regel finde ich übertrieben. Ob die Beachtung der Drittel-Regel ein besseres Foto ergibt ist immer vom Motiv abhängig. Manchmal kann auch der Bruch der Regel ein besseres Foto ergeben.

Manche Kameras haben im Sucher Gitternetzlinien. Je nach Technik sind diese permanent sichtbar oder können bei Bedarf aktiviert werden. Bei der Bildgestaltung ist solch ein Raster sehr hilfreich.

Goldener Schnitt

Der goldene Schnitt ist eine Mathematik-Formel die von den Griechen erfunden wurde. Philosophen und Künstler haben davon einen besseren Eindruck eines Bildes oder Kunstwerkes abgeleitet. Unabhängig von der Geometrie einer Fläche oder Form, werden die Längen bzw. Seiten in 2/3 + 1/3 aufgeteilt, wodurch die Abbildung harmonischer wirken soll.

Goldener Schnitt in der Fotografie

Goldener Schnitt in der Fotografie

Sowohl in der Malerei als auch in der heutigen Fotografie kann dieses Längenverhältnis in unterschiedlichster Form in die Bildgestaltung einfließen. Die Drittel-Regel ist auch eine Form des goldenen Schnittes.

Der Horizont

Auf vielen Landschaftsaufnahmen sieht man den Horizont. Wo sollte man diesen am besten positionieren? In der Mitte? Meist wirkt das langweilig. Wobei es auch Motive gibt, wo eine mittige Ausrichtung besser wirken kann. Spiegelungen sind ein solcher Fall.

Nach der Drittel-Regel wäre oben oder unten in vielen Situationen die bessere Entscheidung. Den Horizont nach oben setzen, wenn man von der Landschaft mehr zeigen möchte. Den Horizont nach unten setzen wenn man einen eindrucksvollen Himmel mit Wolken darstellen möchte.

Perspektive

Hier geht es um die Sicht auf ein Motiv. Dazu gehören nicht nur die Entfernung zum Motiv und die Wahl der Objektiv-Brennweite. Auch der Standpunkt des Fotografen spielt hier eine Rolle.

Froschperspektive in der Fotografie

Froschperspektive in der Fotografie

Recht bekannte Perspektiven sind die Froschperspektive von unten nach oben. Ein Motiv sieht durch diesen Blick ungewöhnlich aus und wirkt größer.

Die Vogelperspektive von oben nach unten. Aber auch durch Veränderung des Standortes und der Brennweite kann man eine andere Sichtweise darstellen. Einfach mal ein Motiv aus verschiedenen Blickwinkeln aufnehmen. Es ist erstaunlich wie unterschiedlich das gleiche Motiv wirken kann.

Vordergrund

Wie bekommt man mehr Tiefe in ein Foto? In dem man mit Vorder- und Hintergrund arbeitet.

Vordergrund in der Fotografie

Vordergrund in der Fotografie

Noch mehr Tiefe erhält man bei noch mehr Ebenen im Bild. Bei Landschaftsmotiven die ich mit Weitwinkelobjektiven fotografiere, versuche ich möglichst einen Eye-Catcher im Vordergrund einzubauen. Zum einen gibt dies für den Betrachter einen optischen Halt. Zum anderen gibt es dem Motiv mehr Tiefe.

Linien, Flächen, Formen und Farben

Geometrische oder grafische Formen und Elemente in einem Bild können es aufwerten und verbessern. Linien in jeglicher Form. Flächen, Formen und Farben sorgen für Spannung und Kontrast und bei gezielten Einsatz zur Steigerung der Bildaussage.

Wie können Linien ein Motiv aufwerten? Viele Linien können symbolisch eine Richtung oder eine grafische Fläche darstellen. Aber auch gedachte Linien in Form eines Motives, welches von links unten nach rechts oben abgelichtet wird, kann als aufsteigende Linie positiv gewertet werden. Geht die gedachte Linie von links oben nach rechts unten, kann dies als absteigende Linie auch als negatives Zeichen interpretiert werden. Je nach gwünschter Bildaussage, kann man so einen positiven oder negativen beim Betrachter vermitteln.

Flächen und Formen können für viele Symbole stehen. Je nach Zusammenstellung oder Kombination anderen Gestaltungselementen.

Mit Farben verbinden wir bestimmte Eindrücke und Erfahrungen. Rot gilt als agressiv. Aber auch für die Liebe kann rot stehen. Etwas Grundwissen über die Farbpsychologie ist für den gezielten Einsatz von Farben in der Bildgestaltung sehr hilfreich. Wie Farben vom Betrachter interpretiert werden, ist von den persönlichen Erfahrungen, vom Kulturkreis und dem allgemeinen Wissen abhängig. Farben haben in anderen Kulturkreisen teilweise andere Bedeutungen.

Wer sich mit dem Farbkreis, Farbkontrast und Komplementärfarben auskennt, wird Farben zur Bildgestaltung besser einsetzen können. Dadurch sind ausdrucksstärkere Fotografien möglich.

Das ist alles relativ theoretisch. Dennoch kann solch ein Stilmittel den Unterschied zwischen einem guten oder sehr guten Foto ausmachen.

Fazit:

Neben dem Wissen im Umgang mit der Kamera und Fototechnik ist auch das Wissen über die gestalterischen Möglichkeiten ein Baustein für ein sehr gutes Foto. Auch in der Landschaftsfotografie findet man häufig die Anwendung solcher Gestaltungsmethoden.

Das hier soll kein umfassender Lehrinhalt für die Gestaltungsmöglichkeiten in der Fotografie sein. Der Artikel soll in erster Linie ein Denkanstoss sein, sich mit diesen Themen intensiver zu beschäftigen.

Meinen Tipp habe ich bereits zu Beginn des Artikels genannt. Besorge dir das Buch: Das Handwerkszeug des Fotografen – 60 Workshops. David DuChemin. Mache alle 60 Workshops. Danach bist du fit in punkto Bildgestaltung.

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