Belichtungszeit, Blende und ISO

Etwas Grundwissen über die Fototechnik ist auch für eine erfolgreiche Landschaftsfotografie hilfreich.

Die Belichtungszeit ist ein wichtiger Faktor. Sie steht im direkten Zusammenhang mit der Blende. Wird die Blende geöffnet, gelangt mehr Licht auf den Film oder Sensor und man kann eine kürzere Belichtungszeit wählen.

Wird die Blende geschlossen, ist eine längere Belichtungszeit erforderlich. Beides hat Vor- und Nachteile. In der Landschaftsfotografie möchte man sehr häufig eine durchgängige Schärfe. Diese erreicht man mit hoher Schärfentiefe.

Eine große Schärfentiefe ereicht man durch Abblenden. Je weiter man ein Objektiv abblendet, desto größer wird die Schärfentiefe. Allerdings gelangt so weniger Licht auf den Sensor. Also muß die Belichtungszeit verlängert werden. Und da wird man schnell Probleme bekommen. Selbst bei sonnigem Wetter kommt man schnell in lange Belichtungszeiten, die man aus der Hand verwackeln würde. Ein Stativ und Fernauslöser ist die Lösung. Fast alle guten Landschaftsfotografen nutzen deswegen, für die meisten ihrer Aufnahmen, ein stabiles Fotostativ.

Aber Achtung! Wer zu stark abblendet bekommt Beugungsunschärfe! Was ist das? Durch die Blendenöffnung kann bei jedem Objektiv Beugung entstehen. Je kleiner die Blendenöffnung ist, desto stärker tritt die Beugung auf. Die Aufnahmen sind dadurch weniger scharf! Eine pauschale Aussage kann man darüber nicht machen, da die Beugung von vielen Faktoren abhängt. Man kann das aber selber austesten. Die Kamera mit Objektiv auf ein Stativ setzen. Und das gleiche Motiv mit allen Blendenwerten fotografieren. Danach alle Fotos in einem Bildbearbeitungsprogramm bei 100% Ansicht betrachten bzw. vergleichen. So kann man leicht erkennen bei welcher Blende die Fotos am schärfsten sind. Die schärfsten Fotos sind mit der förderlichsten Blende. Das ist der Blendenwert, bei dem das Objektiv die maximale Schärfeleistung bringt. Hat man mehrere Objektive macht man diesen Test mit allen Objektiven. Eine pauschale Aussage für ein Objektiv kann man nicht machen, da es durch Fertigungstoleranzen durchaus Abweichungen geben kann.

Der Bereich in dem die Schärfe liegt, nennt man hyperfokale Distanz. Früher waren auf den meisten Objektiven an der Entfernungseinstellung Skalen mit der Blende aufgedruckt. Dort konnte man in etwa einschätzen bei welcher Blende, welcher Bereich scharf abgebildet wird. Viele der heutigen Objektivhersteller bedrucken ihre Objektive meist nicht mehr mit dieser Skala. Bei Kameras mit Live-View und Abblendtaste, kann man auch über das Display die Schärfe bei 100% Ansicht sehr gut prüfen. Deutlicher erkennbar ist die Schärfe bei Kameras mit Focus-Peaking. Bei dieser Technik wird der Schärfebereich durch farbliche Info auf dem Display dargestellt. Und für viele Kamera und Objektivhersteller gibt es dafür auch Apps, wo man die hyperfokale Distanz vor der Aufnahme ermitteln kann.

Foto App mit Hyperfokaler Entfernung

Foto App mit Hyperfokaler Entfernung

Ach ja, da gibt es noch die ISO. Die Internationale Organisation für Normung. Je höher der Wert, desto lichtempfindlicher ist das Aufnahmemedium. Früher meist ein Film. Heute der Sensor einer Digitalkamera.

Mit einer hohen ISO kann man eine kürzere Verschlußzeit oder kleinere Blendenöffnung einstellen. Ist doch super? Nicht immer. Je höher die ISO bei Sensoren genutzt wird, desto stärker wird das Bildrauschen. Im Extremfall so stark, daß das Foto pixelig wird. In den meisten Fällen ist dieser Effekt in der Landschaftsfotografie nicht erwünscht. Genau das Gegenteil will man bei den meisten Landschaftsmotiven erreichen. Kein Wunder also, daß die meisten hochauflösenden Landschaftsfotos mit niedriger ISO 100 oder weniger aufgenommen worden sind. So werden feinste Details hervorragend wieder gegeben.

Aber auch hier gibt es manche Ausnahmen. Inzwischen sind einige Sensoren soweit verbessert, daß man damit auch hochauflösende Aufnahmen mit hoher ISO realisieren kann. Derzeit sind diese Sensoren allerdings Kameras im oberen Preissegment vorbehalten. Zudem benötigen diese Aufnahemendien auch sehr teure hochauflösende Objektive.

Optimale Einstellungen in der Landschaftsfotografie:

  • Niedrige ISO. Am besten 100 ISO oder niedriger.
  • Eine kleine oder die kleinste Blende einstellen, welche noch keine Beugungsunschärfe verursacht.
  • Bei längeren Verschlußzeiten möglichst ein Stativ und einen Fernauslöser benutzen.

Auch hier gibt es Ausnahmen. Bei Aufnahmen in der Nacht vom Sternenhimmel oder diesem in einer Landschaft kann auch der Einsatz einer hohen ISO und offener Blende sinnvoll sein. Zumindest wenn die Sterne unverwischt am Himmel abgebildet werden sollen. Eine hohe ISO mit geringstem Bildrauschen können derzeit nur hochpreisige Digitalkameras realisieren. Mit den meisten Kameras ist diese Aufnahmetechnik überhaupt nicht realisierbar bzw. werden die Sterne bereits verwischt und bewegt abgebildet.

Für Erinngerungsfotos braucht man nicht den Aufwand einer tollen Landschaftsfotografie betreiben. Das geht auch meist ohne Stativ. Frei Hand. Man kann dann zwar oft nicht so weit abblenden. Nicht immer wird die Landschaft durchgängig scharf sein. Für eine Erinnerung dürfte es in vielen Fällen ausreichen.

Wer kreative Fotos oder die Schönheit einer Naturlandschaft von vorne bis hinten scharf darstellen möchte, wird ohne fototechnischem Wissen kaum ein vorzeigbares Ergebnis erzielen.

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